Hoher Besuch in der Synagoge zur Woche der Brüderlichkeit

Text und Fotos: Roswitha Strüber

Die Freiburger Synagoge war am Sonntag, den 17. März 2019 das Ziel von zahlreichen Besucherinnen und Besuchern. Die Vorsitzende der Israelitischen Gemeinde Irina Katz hatte zu einer Veranstaltung im Rahmen der jährlich stattfindenden „Woche der Brüderlichkeit“ eingeladen und mehr als 170 Personen waren der Einladung gefolgt. Wie Irina Katz in ihrer einleitenden Begrüßung sagte, müssen in besonderer Weise die Religionen zusammenstehen und dürfen nicht nachlassen, miteinander Wege der Versöhnung und der Verständigung zu suchen. Ausdrücklich bedauerte die Vorsitzende, dass die Gesellschaft für christlich–jüdische Zusammenarbeit der Veranstaltung fernblieb, obwohl bereits vor Wochen die Einladungen an sie ergangen sind.

 

Der Koordinierungsrat der Gesellschaften für christlich – jüdische Zusammenarbeit hatte mit dem diesjährigen Motto „Mensch, wo bist du? Gemeinsam gegen Judenfeindschaft“ für die Aktionswoche ein Thema ausgegeben, das auf ein sich in der letzten Zeit gefährlich und stetig wachsendes gesellschaftliches Problem zielt. Fast täglich finden sich in den Print– und Radiomedien Meldungen und Berichte zu Übergriffen gegen jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger und gegen jüdische Einrichtungen. Bürgerliches Einhaltgebieten findet leider zu selten statt.

 

Ausgehend von der biblischen Schöpfungsgeschichte und der Frage Gottes an Adam „Wo bist Du?“ sah Professor Dr. Jochen Cornelius-Bundschuh jedoch jeden Einzelnen in die Verantwortung gestellt. Jeder Einzelne, so betonte der Landesbischof aus Karlsruhe, den Irina Katz als Festredner herzlich begrüßte, muss sich fragen lassen, wo er stand, wo er steht und wo er zukünftig stehen wird. Die persönliche Verantwortung ist nicht diskutierbar.

In einer engagierten Ansprache erklärte auch Landesrabbiner Moshe Flomenmann, dass in der individuellen Verantwortung der Menschen die Voraussetzung für ein funktionierendes gesellschaftliches Miteinander liegt. Die entscheidende Frage ist immer, wie fällt die Antwort aus, wenn man gerufen wird.

Baubürgermeister Professor Dr. Martin Haag, der in Vertretung von Oberbürgermeister Martin Horn für die Stadt Freiburg sprach, lenkte mit Sorge den Blick auf die sich ausbreitende Feindschaft gegen Juden und den Staat Israel. Die Gesellschaft insgesamt muss sich diesem Geschehen wiedersetzen und einer fest begründeten Erinnerungskultur offen gegenüberstehen. Die Stadt werde sich, so der Bürgermeister, dieser Verpflichtung nicht entziehen.

 

Zuvor hatte bereits Dr. Gertrud Rapp, Beauftragte des Erzbistums Freiburg für den jüdisch–christlichen Dialog, die Grußworte des Freiburger Erzbischofs Stephan Burger verlesen.

 

Zu Beginn und zum Abschluss der Festveranstaltung sowie jeweils zwischen den einzelnen Wortbeiträgen trug der Kantor der Gemeinde Moshe Hayoun verschiedene liturgische Texte vor, so u.a. die Psalmen 118 (Eli Ata) und 122 (Lemaan Achai).

 

Mit einem Konzert des Augsburger Klezmerensemble „Feygele“ und einem anschließenden Stehempfang endete die Veranstaltung.

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